Vor ungefähr einem Monat habe ich mich dazu entschlossen, parallel zu Windows Vista, Linux Ubuntu zu installieren. Irgendwie hatte ich mal Lust auf was Neues, weg von Windows. Da bietet sich Linux natürlich super an, denn anders als Windows oder Mac OS, kostet Linux überhaupt nichts. Es ist Open Source, das heißt von jedem Nutzer anpassbar und beliebig oft kopierbar. Bevor ich jetzt näher auf die Erfahrungen mit dem Betriebssystem eingehe, möchte ich erstmal kurz erklären wie man Ubuntu installiert:
1. Die Installation
- Zuerst ladet ihr euch das ca. 800 MB große Installationspaket herunter —> hier
- Die aktuelle Distribution „Ubuntu 9.04″ brennt ihr nun als .iso Image mit einem Brennprogramm (wie CDBurnerXP —>hier) auf eine CD oder DVD
- Wenn alles geklappt hat, startet den PC neu und bootet von dem Medium aus. Nun sollte die CD/DVD starten und ihr könnt auswählen, ob ihr Ubuntu ausprobieren wollt (d.h. wird nicht installiert, sondern startet von DVD aus), oder ob ihr das OS installieren wollt. Wählt diese Option bitte aus und beantwortet die nächsten Punkte bei der Installation (WICHTIG: Wenn ihr zusätzlich zu Ubuntu ein anderes Betriebssystem installiert habt, passt auf, dass ihr Ubuntu nicht auf derselben Partition installiert. Alle Daten werden dabei nämlich gelöscht. Um vorher einen neue Partition zu erstellen, könnt ihr z.B. Easeus Partition Manager —-> hier herunterladen. Die Partition sollte aber mindestens 10GB groß sein!)
So, das war’s erstmal zu der Installation. Wenn alles glatt gelaufen ist, könnt ihr jetzt Linux starten. Die Meisten werden wohl noch Windows parallel benutzen und deshalb werdet ihr nach bei jedem Neustart des Computers gefragt, welches OS ihr starten wollt.
2. Erste Schritte
Auf diesen Bildern sieht man Ubuntu in Aktion. Um ein Foto zu vergrößern, klicke darauf
Leider ist es mit der Installation allein nicht getan. Ihr könnt keinerlei Videos oder Musik abspielen, weil alle Codecs fehlen. Das ist aber leider noch nicht das Schlimmste. Denn das größte Problem von Linux ist meiner Meinung nach die komplizierte Treiber-Installation. So einfach wie in Windows – CD rein, installieren, fertig – geht’s leider nicht. Mein Problem war z.B., dass ich meinen Fritz Wlan USB Stick nicht installieren konnte. Und das ist alles andere als lustig, denn ohne Internetanschluss ist Linux nicht wirklich zu gebrauchen. Zum Glück habe ich es dann endlose Stunden später noch geschafft. Eine allgemeine Anleitung, wie ihr die Treiber für eure Geräte installiert, gibt es leider nicht, denn jeder Treiber ist eine Sache für sich. Wenn ihr es nicht schafft, euren USB-betriebenen Handwärmer oder die Digicam eurer Tante zu installieren, gibt es für viele Geräte Anweisungen auf —> http://ubuntuusers.de/
Auch bei allen anderen Fragen kann ich diese Webseite wärmstens empfehlen
3. Der Erfahrungsbericht
Vom Design her ist Linux Ubuntu wirklich nicht schlecht, besonders wenn ihr zusätzliche Programme und Skins installiert. Es liegt irgendwo zwischen XP und Vista. Es gibt zahllose Effekte, wie z.B. der Desktop Würfel, auf dem auf allen vier Seiten Desktopumgebungen angezeigt werden können – dieser Effekt lässt sogar Vista alt aussehen (youtube: —>hier). Windows User werden sich trotzdem ersteinmal ein bisschen eingewöhnen müssen, da einige Dinge anders sind.
Positiv ist zudem der Zentrale Anlaufpunkt zu allen verfügbaren Programmen. Anders als bei Windows hat man nämlich hier ein Programm, dass alle Anwendungen auflistet, die man dann auch sofort downloaden kann. Installierte Anwendungen lassen sich damit auch problemlos auf dem neuesten Stand halten.
Wie oben schon erwähnt, ist das installieren von Treibern und Codecs schwieriger als mit Windoof und bringt einen manchmal zur Verzweiflung. Gerechterweise muss man sagen, dass das nicht unbedingt die Schuld von Linux ist. Größtenteils stellen die Gerätehersteller nämlich erst garkeine Treiber zur Verfügung, weil ihnen das Betriebssystem egal ist. Sehr schade eigentlich… Aber ganz klar ein negativer Punkt.
Ubuntu wirkt oft aufgeräumter und schlichter als Vista oder XP. Es ist einfach nicht so bunt. Verschiedene Designs und das komplette Aussehen lassen sich dafür problemlos anpassen – ein weiterer Pluspunkt.
Durch die Monopolstellung von Windows sind viele Anwendungen für dieses OS nicht mehr wegzudenken oder gar zu ersetzen. Beispielsweise vermisse ich unter Ubuntu Programme wie Winamp oder iTunes. Zu diesem Zweck lässt sich die Erweiterung „Wine“ installieren, die eine Windows Umgebung simuliert und so diese Programme unter Linux laufen lässt – aber das funktioniert leider nicht bei jedem Programm ohne Probleme.
Der größte Beweggrund Linux zu benutzen ist aber immernoch der unschlagbare Preis: 0 €! Auch in Zukunft bleibt Linux kostenlos und lässt sich problemlos auf die neueste Version updaten. Im Gegensatz zu Windows und Co. Hier wird man schnell über Hundert Euro los. Leider hatte ich das Pech Vista vorinstalliert zu haben und kann so schon in ein paar Monaten einen Batzen Geld für Windows 7 hinblättern – nicht so bei Linux.
Hier noch einmal alle positiven und negativen Aspekte zusammengefasst:
Positiv
- Komplettes System und das Design lassen sich anpassen
- Zentrales Zentrum für die meisten verfügbaren Anwendungen
- Aufgeräumt, schlicht, unkompliziert
- Kostenloses OS, welches auch nach Updates in der Zukunft gratis bleibt
- Läuft auch auf Systemen mit wenig Leistung flüssig
- Große Community, die bei Problemen hilft
Negativ
- Treiberinstallation, Codecinstallation
- Oft fehlende Kompatibilität zu Windows Produkten und Software
Man sollte Ubuntu also einfach mal ausprobieren. Es gibt nichts zu verlieren, denn das laufende System wird nicht beschädigt vorrausgesetzt man benutzt eine andere Partition. Gerade Menschen, die nicht extrem auf Windows Produkte angewiesen sind, könnten mit Linux richtig liegen. Gamer sollten aber lieber bei Windows bleiben, denn Spiele sind eher rar gesäht. Trotzdem muss man sich ja nicht für eines entscheiden – einfach parallel laufen lassen. Und bei Nichtgefallen ganz einfach die Partition wieder löschen. Es muss auch nicht unbedingt Ubuntu sein, denn es gibt tausende Linux Distributionen, beispielsweise OpenSuse oder Ubuntu Studio, eine Version, die extra für Multimediaanwendungen optimiert wurde. In diesem Sinne, viel Spaß mit Linux